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Archive for the ‘Wolfram von Juterczenka’ Category

Der Winter ist noch nicht vorbei!

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Im Gegensatz zur milden Wintersituation, in der die atlantischen Tiefs auf der Island- Bahn ziehen und nach Mitteleuropa milde Atlantikluft führen (Winterstürme treffen dann oft die Nordseeküste und das nördliche Mitteleuropa), haben wir es im Moment mit einer eher typischen kalten Wintersituation zu tun.

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Wetterlage am 24. Januar 2009; Aufnahmen des amerikanischen NOAA-Wettersatelliten. Quelle: http://wekuw.met.fu-berlin.de/~SatellitenDaten/

Häufige Kaltluftvorstöße aus Ost- oder Nordosteuropa sorgen für eine veränderte Zugbahn der atlantischen Tiefs.

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Wetterlage am 24. Januar 2009 06:00 Uhr UTC.  Auf der Höhenkarte des amerikanischen Wetterdienstes sieht man die 500 hPa-Fläche (Geopotential, schwarze Linien mit Zahlen) und erkennt indirekt auch die Lufttemperaturen anhand der sogenannten Relativen Topographie (RETOP). Die 500 hPa-Fläche  entspricht in jedem Flächenstück der Höhe über dem Boden in welcher der Luftdruck auf 500 hPa gefallen ist (Höhenangaben in Dekametern!). Der Luftdruck nimmt mit zunehmender Höhe wegen der nachlassenden Wirkung der Schwerkraft allmählich ab. Da warme Luft sich in der Vertikalen mehr ausdehnt als kalte Luft, geht in einer warmen mit zunehmender Höhe der Luftdruck langsamer zurück als in einer kalten Luftsäule. Das 500 hPa – Niveau der Warmluft wird also erst in relativ grösserer Höhe erreicht. Die 500 hPa – Fläche bildet  eine Art “Landschaft” mit “Bergen” (Warmluft) und “Tälern”(Kaltluft). Die schwarzen Linien (Isohypsen) der 500 hPa – Fläche verbinden also Orte miteinander, die jeweils in derselben Höhe liegen. Die Isohypsen zeigen den Verlauf der Höhenwinde und die Lage der Polarfront. Die Farben dienen der Darstellung der Relativen Topographie. Darunter versteht man den Höhenunterschied (Schichtdicke) zwischen zwei isobaren Flächen, also Flächen von jeweils gleichem Luftdruck. Hier sind es die 500 hPa Isobarenfläche (in etwa 5 km Höhe) und die bodennahe 1000 hPa Isobarenfläche (in etwa 50m Höhe). Gebiete mit geringer Schichtdicke entsprechen einer relativ niedrigen Lufttemperatur, Gebiete mit hoher Schichtdicke, also einem großen Abstand zwischen den beiden Isobarenflächen, dagegen einer relativ hohen Lufttemperatur. Die Temperaturen innerhalb der Schichten nehmen von violett, über blau, grün, gelb nach rot immer mehr zu. Weiterhin ist auf der Karte auch noch der jeweils herrschende Bodenluftdruck eingezeichnet. Man erkennt ihn an den weißen geschlossenen Linien, den Isobaren, die Orte gleichen Luftdrucks miteinander verbinden. Ein geringer Abstand zwischen den Isobaren entspricht einem hohen Luftdruckgradienten und umgekehrt. Der Luftdruckwert ist jeweils bei den Isobaren eingetragen. Hoch- und Tiefdruckgebiete sind so auf einen Blick auszumachen. Quelle: http://www.wetter3.de/

So wurde das Sturmtief vom 23./24. Januar nach Süden abgedrängt mit der Folge eines sehr starken Luftdruckfalls über Mitteleuropa und einer Zugbahn des Sturmfeldes über Südwesteuropa mit den verheerende Folgen in Nordostspanien und Südwestfrankreich.

Regel: Bei Winterkälte in Mitteleuropa nimmt die Unwettertätigkeit am Mittelmeer häufig zu.

Dies ist so auch in der Geschichte immer wieder vorgekommen. Auch im Laufe der beginnenden Woche scheint sich die Kaltluft wieder deutlicher durchzusetzen, so dass sich an der Großwetterlage noch nichts ändert.

Wolfram von Juterczenka 

Gastbeiträge geben nur die persönlichen Ansichten der Autoren wieder und entsprechen nicht unbedingt den Einschätzungen des Herausgebersdieses Weblogs!

Written by jenschristianheuer

26 Januar, 2009 at 08:40 am

Kühles Mitteleuropa, warmes Nordmeer

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Die seit Tagen andauernde kühle Wetterlage für Mitteleuropa ist sehr beständig. Das kräftige Hoch über dem östlichen Nordskandinavien mit einem Keil bis in den Nordatlantik blockiert atlantische Tiefdruckgebiete und lenkt sie nach Norden ab. Auf der Südostseite dieses Hochs wird sehr kühle Luft nach Südwesten transportiert und sorgt für recht niedrige Temperaturen, vor allem nachts. Gleichzeitig wird die atlantische Warmluft weit nach Norden abgedrängt, so dass es von Nordnorwegen bis Spitzbergen zu übernormalen Temperaturwerten kommt. Das eine steht also im Zusammenhang mit dem anderen. Irgendwelche Klimarückschlüsse (warmes Spitzbergen) sind daher Unsinn.

Quelle: http://wekuw.met.fu-berlin.de/~SatellitenDaten/

Im Januar wäre diese Situation noch deutlich extremer: bei bis -20°C in Mitteleuropa hätte Nordnorwegen bis zu 10 Plusgrade (z.B. 1986). Auch hier ist es also wichtig, das großräumige Strömungsmuster zu beachten, wenn man über lokale Situationen spricht.
Ebenfalls hat diese Wetterlage zur Folge, dass es im Mittelmeerraum zunehmend unbeständig wird.
Es ist durchaus möglich, dass sich das Grundmuster dieser Wetterlage auch in den nächsten 5 bis 10 Tagen nicht ändern wird.

Wolfram von Juterczenka

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Written by jenschristianheuer

18 September, 2008 at 23:46 pm

Die aktuelle Gewitterlage – ein Hinweis auf den Klimawandel?

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Latif steht angesichts der derzeitigen Gewitter- Lage sicherlich schon wieder in den Startlöchern…….


Wetterlage am 27. Juni 2008 um 16:00 Uht UTC: Über dem Balkan, Griechenland, Italien und der Türkei sind mächtige Gewitterwolken (Gewitterzellen zu erkennen. Eindrucksvoll auch ein Tiefdruckwirbel mit ausgeprägtem Frontensystem über dem Nordatlantik, westlich der Britischen Inseln. Die Höheströmung hat inzwischen von einem meridionalen zu einem  zonalen Muster gewechselt. Quelle: http://www.metoffice.gov.uk/

… aber: Nicht der Klimawandel, sondern die Wetterlage und das Strömungsmuster bestimmen das Wetter!

Es sind die Temperaturgegensätze, hervorgerufen durch eine vorangegangene recht meridionale Höhenströmung (meridional= parallel zu einem Längenkreis, Gegensatz: zonal=breitenkreisparallel), die für die derzeitige Unwetter- trächtige Lage verantwortlich sind. Im dauernden Wechsel zwischen subtropischer Warmluft und subarktischer Kaltluft entstehen immer wieder kräftige Fronten, die dann ein sehr großen Gewitter- Potential haben. Dies ist bei einer meridionalen Strömung nicht ungewöhnlich, dafür gibt es in der Geschichte reichlich Beispiele. Insgesamt bedeutes das dann immer deutliche Gegensätze: Trockenheit in Kalifornien steht dem vielen Regen im Mittleren Westen der USA gegenüber. Während der Trockenheit in Skandinavien im Mai regnete es in Spanien viel. Solche Wetterlagen sind immer ein gefundenen Fressen für die Medien. „ist das noch normal?“ wird dann immer gefragt. Die Antwort ist ein klares JA. Denn das einzig „Normale“ beim Wetter ist das Un-Normale!

Wolfram von Juterczenka

Jahrgang 1952; hatte von Kindesbeinen an großes Interesse an den Vorgängen am Himmel. Nach 4 Semester Studium der Meteorologie, wandte er sich dem Studium der  Geschichtswissenschaften zu, das er mit einer Magisterarbeit abschloß. Der Autor unterhält ein umfangreiches historisches Wetterarchiv mit sehr vielen Daten und Presseartikel, die bis in die 50er Jahre zurückreichen. Er verfasste auch eine Chronologie der Wetterereignisse des 20. Jahrhunderts. Seit 1982 ist er Archivar und Dokumentar bei der Deutschen Welle in Bonn.

Einen genaueren Einblick in seine historische Wetterforschung gibt der Gastautor mit seinem sehr interessanten Internetauftritt: http://www.wetterklimafakten.eu

Gastbeiträge geben nur die persönlichen Ansichten der Autoren wieder und stehen nicht unbedingt für die Positionen des Herausgebers des Wetterwechsel Klimawandel Weblogs!

Weitere Beiträge zum Thema: Unwetter und Klimawandel (siehe unter Wetternotizen)

Written by jenschristianheuer

27 Juni, 2008 at 16:56 pm