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Weisse Weihnachten? Im Winter 2008 in Deutschland leider wieder ausgefallen!

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Nun steht es entgültig fest. Auf  Weisse Weihnachten müssen wir in Deutschland auch in diesem Jahr (überwiegend) verzichten. Ein Blick auf die augenblickliche Wetterlage, die sich in etwa so entwickelt hat, wie seit dem 18. Dezember vorhergesagt, macht sofort klar warum:

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Meridionale Wetterlage am 24.Dezember.  Quelle: http://www.wetter3.de/

Deutschland liegt noch gerade innerhalb eines Hochkeils mit anticyclonaler Strömung (anticylonal = Luftströmung auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn, typisch für Hochdruckgebiete), in dem die Luftmassen grossflächig absinken  und sich dabei erwärmen, so dass sich  Wolken tendenziell auflösen und Niederschläge eher unwahrscheinlich sind. Über Ostdeutschland gibt es allerdings eine kleine Störung in der Höhenströmung, eine kleine cyclonale Ausbuchtung (cyclonal = Luftströmung auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn, typisch für Tiefdruckgebiete), also eine Art kleiner Höhentrog! Und hier wird die Luft gehoben, dehnt sich aus und kühlt dabei ab, so dass Wolkenbildung einsetzt und es auch zu Niederschlägen komen kann. Diese gehen aber wegen der zu hohen Lufttemperaturen nicht als Schnee, sondern nur als Regen nieder. Das bestätigt auch die Niederschlagskarte:

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Niederschläge am  24.Dezember.  Quelle: http://www.wetter3.de/

Weiter östlich im Einfluss des grossen Höhentroges über Osteuropa kommt es aber vielerorts zu Schneefällen. So darf man sich etwa in Teilen Polens oder auch in den höheren Lagen von Österreichs am Ende doch noch an einer weissen Winterlandschaft erfreuen.

Lassen wir zum Schluss unseren Blick noch ein wenig in die Ferne schweifen. Nordamerika und Nordchina erleben derzeit rekordverdächtige Wintereinbrüche durch ein Vordringen polarer Kaltluft innerhalb ausgedehnter Höhentröge. Ein Tief nach dem anderen lädt gewaltige Schneemengen ab. Ähnliche Winterbrpüche erlebten wir auch schon im vergangenen Winter, ebenfalls in den USA und China, aber auch in Ost- und Teilen Südeuropas, im Nahen Osten und Zentralasien (Afghanistan, Pakistan), ja sogar in Indien. So etwas hatte es  schon lange nicht mehr gegeben und jetzt das Ganze schon wieder? Es könnte natürlich einfach nur eine Laune der Natur sein, das Wetter ist schliesslich immer für eine Überraschung gut. Es gibt meines Erachtens aber noch eine andere Möglichkeit: Ein Nachlassen des Golfstroms infolge der massiven Eisschmelze in der Arktis!

golfstrom-2

Der Golfstrom: Das nach Norden strömende Wasser gibt seine in den Tropen aufgenommene Wärme allmählich an Luftmassen darüber ab. Mit den von der Westdrift nach Osten ziehenden Tiefdruckgebieten gelangt die Wärme nach Europa und sorgt dort für ein mildes Klima. Das Wasser wird unterdessen durch Verdunstung immer salzhaltiger. Mit abnehmender Temperatur und zunehmenden Salzgehalt nimmt die Dichte des Wassers zu, bis es südlich von Grönland und bei Island abzusinken beginnt. Als kalte Tiefenwasserströmung gelangt es dann wieder zurück in die Tropen. Dieser Wasserkreislauf ist also thermohalin (Temperatur- und Salzgehalt betreffend). Durch zunehmenden Eintrag von Schmelzwasser infolge der Eisschmelze in der Arktis nimmt dort der Salzgehalt des Golfstroms ab, und der Wasserkreislauf  kommt ins Stocken. Quelle: Spiegel Online

Ein schwächerer Golfstrom würde nämlich den Temperaturgradienten an der Polarfront (wo warme Luft aus dem Süden und polare Kaltluft aufeinandertreffen) verringern, denn die Temperaturen auf der Warmluftseite würden ja zurückgehen, der Temperaturunterschied zur polaren Kaltluft also geringer.  Islandtief und Azorenhoch, die mit dem Heranführen polarer Kaltluft und (sub)tropischer Warmluft die Polarfront verstärken und so indirekt auch den Jetstream antreiben, werden dadurch geschwächt. Ein schwächerer Jetstream würde aber stärker mäandern und dann die polare Kaltluft nicht mehr so gut einschliessen. Die Folge wären vermehrte Kaltluftausbrüche gen Süden. Das die spektakulären Wintereinbrüche der letzten beiden Winter oft auch fernab des Golfstromes in Asien stattfanden muss nicht unbedingt gegen die Möglichkeit einer Abschwächung des Golfstromes sprechen, wenn man annimmt, dass sich das veränderte Schwingungsmuster des Jetstreams um die gesamte Nordhalbkugel herum fortpflanzt und über den schneller auskühlenden Landmassen Kaltluftvorstösse ohnehin leichter stattfinden.

Übrigens: Im Zusammenhang mit der jüngsten Forschungsreise der Maria S. Merian unter der Leitung von Monika Rhein, Bremen wurde kürzlich von einem 70%igen Rückgang der Tiefenwasserbildung im Nordatlantik seit 1997 berichtet (http://www.merian.de/Lounge/magazin/unsereerde.php). 

Die zwei Phasen der Nordatlantischen Oszillation (NAO): In der positiven Phase der Nordatlantischen Oszillation (NAO +) besteht wegen eines hohen Temperaturgradienten an der Polarfront auch ein hoher Druckgradient (aufgrund der unterschiedlich hohen vertikalen Ausdehnung von Warm- und Kaltluft!) zwischen Islandtief und Azorenhoch und damit ein starker Antrieb für den Jetstream, der deshalb nur wenig mäandert. Es bilden sich zahlreiche und kräftige Sturmtiefs, die mit einer starken Westdrift Nord-, West- und Mitteleuropa erreichen und unter ihren Zugbahnen für ein mildes, feuchtes, aber auch wechselhaftes Wetter sorgen. Die Luftzirkulation ist zonal. Nur einige wenige Sturmtiefs erreichen den Mittelmeerraum, wo es ansonsten trocken bleibt. Aus dem starken Azorenhoch als Bestandteil des subtropischen Hochdruckgürtels wehen kräftige Nordostpassate. Diese erzeugen im Atlantik eine dementsprechende Meeresströmung, die an der westafrikanischen Küste kaltes Tiefenwasser hervorquellen lässt. Dadurch sinken wiederum die Temperaturen des Oberflächenwassers im Atlantik und damit entstehen hier weniger tropische Wirbelstürme. Der kräftige Jetstream schliesst die polare Kaltluft wie eine Mauer ein, so dass Kaltluftvorstöße in den Süden  selten bleiben. In der negativen Phase der Nordatlantischen Oszillation (NAO -) bleiben Islandtief und Azorenhoch schwach. Der Jetstream mäandert deutlich mehr und bringt nur relativ wenige und im Durchschnitt auch schwächere Sturmtiefs hervor. Die Westdrift bricht immer wieder zusammen. Durch die dabei häufig entstehenden blockierenden Hochs werden immer wieder Sturmtiefs in den Mittelmeerraum umgelenkt. Dort wird es nun deutlich feuchter, während es in West- und Mitteleuropa eher trocken bleibt. Besonders im Winter kommt es immer wieder zu Kaltluftausbrüchen gen Süden, da der  schwache Jetstream die polare Kaltluft nicht mehr so gut einschliesst. Umgekehrt führen Warmluftvorstösse in den Norden aber auch immer wieder zu relativ milden Temperaturen, z.B. in Grönland. Das Zirkulationsmuster ist also meridional. Die Nordostpassate bleiben schwach und damit steigen die Wassertemperaturen vor der westafrikanischen Küste. Das begünstigt wiederum die Entstehung tropischer Wirbelstürme. Quelle: http://airmap.unh.edu/

Jens Christian Heuer

Weisse Weihnachten? https://wetterwechsel.wordpress.com/2008/12/16/weisse-weihnachten/

Weisse Weihnachten? Update https://wetterwechsel.wordpress.com/2008/12/18/weisse-weihnachten-update/

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Written by jenschristianheuer

24 Dezember, 2008 um 22:07 pm

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