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Eine kurze Hitzewelle und dann: Die Nacht der Gewitter

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Der 2.Juli 2008 war der bisher heißeste Tag des Jahres in Deutschland. Praktisch überall kletterten die Temperaturen auf über 30°C. Die Spitzenwerte wurden zwar im Südwesten mit vielerorts 36°C erreicht, aber auch der Norden knnte durchaus mithalten. So wurden beispielsweise auf der Nordseeinsel Norderney immerhin noch 32°C gemessen.

 

Die bodennahen Temperaturen am 2.Juli 2008 um 12:00 Uhr UTC Quelle: http://www.wetterzentrale.de/

Für die kurze Hitzewelle ist ein relativ kurzlebiger Hochkeil (Höhenrücken) über Mitteleuropa verantwortlich, in dem sich ein Hochdruckgebiet befindet, wo die Luftmassen großflächig absinken, sich dabei erwärmen, so daß sich die meisten Wolken auflösen und die Sonnenstrahlung ungehindert einfallen kann. Das alles lässt sich auch auf dem Satellitenbild gut erkennen.

Wetterlage am 2.Juli 2008 um 12:00 Uhr UTC  Quelle: http://www.metoffice.gov.uk/

Direkt westlich des Höhenrückens befindet sich ein Höhentrog mit einem schon stark verwirbelten (okkludierten) dynamischen Tiefdruckgebiet, dessen Kaltfront der Vorderseite (Ostseite) des Troges entspricht. Hinter der Kaltfront strömt polare Kaltluft nach, gut erkennbar an der zellularen Bewölkung. Da die kalte Luft über eine schon relativ warme Wasseroberfläche strömt, die als Heizfläche wirkt, bilden sich wabenartig angeordnete Konvektionszellen, in denen die Luft gehoben wird und sich dabei abkühlt. In der durch Wasserverdunstung feuchten Luft bilden sich sehr schnell Wolken (Quellwolken, Cumulus). Die dabei frei werdende Kondensationswärme (latente Wärme) treibt die Wolkenbildung zusätzlich an.

Hoch – und Tiefdruckgebiet lenken gemeinsam aus südwestlicher Richtung feuchte, tropische Warmluft nach Mitteleuropa, was neben dem wolkenlosen Himmel zu den dort herrschenden hochsommerlichen Temperaturen beiträgt.

Eine gute Übersicht der Wetterlage  bietet die Höhenkarte des amerikanischen Wetterdienstes:

 

Wetterlage am 2.Juli 2008 um 12:00 Uhr UTC
Die Farbschattierungen zeigen an, in welcher Höhe der Luftdruck auf 500 hPa zurückgegangen ist (Höhenangaben in Dekametern!). Da sich warme Luft mehr ausdehnt als kalte Luft, fällt auch der Luftdruck dementsprechend langsamer mit zunehmender Höhe. Je wärmer also die Luft umso größer die Höhe in der der Luftdruck auf 500 hPa gesunken ist. Man erhält in einer zusammenfassenden Kartendarstellung dann eine 500 hPa-Fläche in Form einer “Landschaft” mit “Bergen” und “Tälern”. In den roten, orangefarbenen und gelben Bereichen befindet sich die warme Luft, deren Temperatur von gelb nach rot zunimmt; in den grünen, blauen und violetten Bereichen hingegen die kalte Luft, mit von grün über blau nach violett sinkender Temperatur. Die Isobaren des Bodenluftdrucks sind als weiße geschlossene Linien eingezeichnet. Isobaren verbinden die Orte gleichen Luftdrucks miteinander. Geringe Abstände zwischen diesen zeigen ein großes Luftdruckgefälle an und umgekehrt. Die Luftdruckwerte sind auf den Isobaren eingetragen. Die Zahlen auf der 500 hPa-Fläche zeigen die jeweils herrschenden Temperaturen an. Die schwarze Linie markiert den Verlauf der Polarfront, wo die Temperaturgegensätze am größten sind.
Quelle: http://www.wetterzentrale.de/

Der Höhentrog mit dem dynamischen Tief bewegt sich weiter nach Osten und damit endet auch bald das sonnige und trockene Wetter in Deutschland. Im Einflussbereich des Tiefs  kommt es im Westen Deutschlands, da wo kalte und warme Luftmassen „zusammenprallen“, schon in der Nacht zu heftigen Gewittern, die eine deutliche Abkühlung einleiten. Die am späten Abend im Infraroten aufgenommené Satellitenaufnahme zeigt sehr schön im Vergleich zur ersten Aufnahme vom Mittag das Vorrücken der Gewitterfront.  

 

 

Wetterlage am 2.Juli 2008 um 23:00 Uhr UTC
Die Infrarotaufnahme bildet die unsichtbare Wärmestrahlung ab, die vom Land, den Wasserflächen und den Wolken ausgeht. Warme Objekte erscheinen dunkel, kalte Objekte dagegen hell. Aus den Helligkeiten der Objekte ist somit ein direkter Rückschluss auf deren Temperatur möglich. Infrarotbilder gelingen auch in der Dunkelheit der Nacht, denn im Gegensatz zum sichtbaren Licht ist die Wärmestrahlung immer vorhanden. Quellwolken (Cumulus), die sich bis in große Höhen auftürmen wie ganz besonders die Gewitterwolken (Cumulonimbus), sind wegen der mit der Höhe abnehmenden Lufttemperatur an ihrer Oberseite relativ kalt und erscheinen daher hell. Dasselbe gilt für die nur in großer Höhe entstehenden Eiswolken (Cirrus). Wolken in niedrigen Höhen sind dagegen schon fast genauso warm wie die Erdoberfläche darunter und erscheinen somit ähnlich dunkel. Quelle: http://www.metoffice.gov.uk/ 

 

 

Die Nacht der Gewitter ist vielerorts sehr spektakulär verlaufen!  Mitursächlich könnte hierbei die mit der globalen Erwärmung einhergehende erhöhte Wasserverdunstung sein. Bei der Wolkenbildung wird dadurch auch mehr Kondensationswärme (latente Wärme) frei, die ihrerseits die Wolkenbildung weiter antreibt. Je höher die Wolken sich aber auftürmen, umso stärker entwickeln sich  die Gewitter.

 

 

 
Wetterlage am 3.Juli 2008 um 17:00 Uhr UTC Quelle: http://www.metoffice.gov.uk/

Am Nachmittag des 3.Juli erreichte das Frontensystem auch Norddeutschland, wo es daaan auch heftige gewitter mit Starkregen gab. Die Temperaturen, die hier während des Tages wieder auf beinahe 30°C geklettert waren, gingen nun deutlich zurück. Der Wind wehte aus südöstlichen bis südwestlichen Richtungen. Die Gewitter hielten bis in die Nacht an.  

Jens Christian Heuer 

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Written by jenschristianheuer

3 Juli, 2008 um 21:30 pm

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